Es ist wieder so weit: Das Russische Haus in der Berliner Friedrichstraße – jene russische Kultureinrichtung, die mit Kino, Bibliothek und Sprachkursen eigentlich für Völkerverständigung werben soll – soll geschlossen werden. Die bellizistischen Schreihälse der Nation sind pünktlich zur Stelle und inszenieren ein politisches Ritual, das mittlerweile so verlässlich wiederkehrt wie die Verspätungen der Bahn.
Anlass ist der Umzug des Digitalministeriums in ein nebenan liegendes Gebäude. Ein Unding. Wie leicht möchte man es Putin bei der Spionage denn noch machen? Man fragt sich unwillkürlich, ob in den Hinterzimmern der Hauptstadt zu viel „Das Leben der Anderen“ geguckt wurde oder ob es sich schlicht um eine generelle Paranoia handelt, die hinter jeder Raufasertapete einen KGB-Abhörposten vermutet.
Kommentar
Der Russe horcht mit – Mauer an Mauer mit Putins Propagandapalast
Das Digitalministerium bezieht Quartier neben einer angeblichen russischen Spionagezentrale. Berlin verfällt in kollektive Schnappatmung und pflegt eine rührend analoge Angst.
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Der Eingangsbereich des Russischen Hauses in der Friedrichstraße. Das Kultur- und Veranstaltungszentrum gilt manchen als mögliche Spionagezentrale.
© Jörg Carstensen/dpa